Derzeit wählen etwa 51 % der Tiroler Jugendlichen für ihren Berufseinstieg den Weg des dualen Ausbildungssystems der Lehre. „Dies zeigt die Bedeutung der Lehre für unsere Jugend aber auch für unsere Wirtschaft. Daher ist es für Tirol so wichtig, dieses System durchgängig und angesichts des Fachkräfte-Mangels attraktiv zu gestalten: Eine Lehre soll mit berufsbegleitenden Kursen ebenso zur Matura und damit zu einer Studien-Berechtigung führen können, wie ein entsprechender Schulabschluss“, sagt Wirtschafts-Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf. Sie informierte heute gemeinsam mit Bildungs-Landesrätin Beate Palfrader, Kom.Rat Georg Steixner (Obmann Sparte Gewerbe u. Handwerk WK Tirol) und MMag. Maria Kalcsics vom BFI über „Lehre mit Matura“.
Am BFI wurde bereits im September 2008 ein entsprechendes Kursangebot geschaffen, das WIFI bietet bereits seit Jänner 2008 einen “Lehre und Matura-Kurs“ mit 28 Teilnehmern an. Im Jänner 2009 startet der zweite Jahrgang. „Durch eine entsprechende Entscheidung auf Bundes-Ebene können wir nun all diese Kurse kostenlos anbieten und noch attraktiver gestalten“, freut sich LR Zoller-Frischauf.
„Mit den neuen Kursen ist die Vorbereitung auf die Matura bereits während der Berufsschulzeit möglich. Drei der vier Teilprüfungen (dies sind: Deutsch, lebende Fremdsprache, Mathematik und ein Fachbereich aus dem jeweiligen Lehrberuf) können bereits vor der Lehrabschlussprüfung abgelegt werden. Den Lehrlingen werden zahlreiche Möglichkeiten einer weiterführenden höheren Ausbildung an Universitäten oder an einer Fachhochschule eröffnet. Der Zeitverlust durch den Besuch der Abendmatura oder durch die Studienberechtigungsprüfung entfällt. Eine absolute Aufwertung der Lehre!“, erklärt Bildungs-Landesrätin Beate Palfrader.
MMag. Maria Kalcsics, BFI: „Es ist sehr erfreulich, dass die Matura für Lehrlinge mit der neuen Bundesförderung nun kostenlos angeboten werden kann. Die Frage der Finanzierung ist damit für die Lehrlinge kein Hindernis mehr. Die Karriere-Chancen für die jungen Leute steigen, Studium oder FH sind möglich.“
Kom.Rat Georg Steixner: „Wir sind stolz und froh, dass dieses Modell in dieser Form angeboten wird und es ist auch wichtig, dass dies für unsere Betriebe kostenneutral ist. Die Matura kann in das Ausbildungs-System der Lehre integriert werden.“
Hintergrund
Es ist aber abzusehen, dass die Zahl der Jugendlichen, die in den nächsten Jahren über das Ausbildungssystem der Lehre in den Arbeitsprozess eintreten, zurückgehen wird. Dazu kommt, dass sich viele junge Menschen auch aus einem gesellschaftspolitischen Druck heraus für eine rein schulische Ausbildung – sprich Matura und anschließend Universität – entscheiden.
Mit der Einführung der Berufsreifeprüfung ist ein wesentlicher Reformschritt zur Erhöhung der Durchlässigkeit des österreichischen Bildungssystems gesetzt worden, um die Lehre wieder attraktiver zu gestalten und zudem dem Fachkräfte-Mangel entgegen zu wirken. Zudem wird die Berufs-Matura nun kostenlos!
Das Land Tirol investiert darüber hinaus derzeit jährlich über 3 Mio. Euro in Maßnahmen der Lehrlingsausbildung. Der Wirtschaftsstandort Tirol genießt gerade aufgrund seiner motivierten und hoch qualifizierten FacharbeiterInnen international große Anerkennung.
Ziel von „Lehre mit Matura“
Ziel ist es, besser ausgebildete und hoch qualifizierte Facharbeitskräfte zu erhalten, um die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Region Tirol nachhaltig zu stärken. Lehrabsolventen mit Reifeprüfung werden mit ihrem breiten Wissen und ihrer hohen Leistungsbereitschaft in Zukunft eine immer wichtigere Rolle in der Wirtschaft einnehmen und auch nachgefragt werden.
„Es ist daher von größter Bedeutung, dass wir den Jugendliche diese qualitativ hochwertige Ausbildung in Tirol kostenlos anbieten können“, sagt LR Zoller-Frischauf. Voraussetzung für die Teilnahme am kostenlosen Ausbildungsmodell ist entweder eine Lehrstelle in Tirol, der Wohnort in Tirol oder ein Berufschulbesuch in Tirol.
Unterstützung
Die Tiroler Landesregierung hat am 9. Dezember beschlossen, das Ausbildungsmodell „Lehre mit Reifeprüfung“ des Bundes voll zu unterstützen. Der Bund stellt € 6.000,– pro Lehrling und Reifeprüfung zur Verfügung.
Leistungen des Landes Tirol sind:
· Auftreten als Antragsteller und Trägerorganisation für die Bundesförderung: Damit ist die Möglichkeit gegeben, dieses Ausbildungsmodell mitzutragen, die Vereinbarkeit der beiden verschiedenen Modelle zu sichern und die Fördergelder effizient und optimal zu verwalten.
· Übernahme der Kosten für eine einheitliche Bewerbung des Ausbildungsmodells auf Grundlage eines gemeinsamen Bewerbungs- und Medienkonzepts.
Die Umsetzung des gemeinsamen Ausbildungsmodells „Lehre mit Reifeprüfung“ konnte nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Land Tirol, der Wirtschaftskammer Tirol, der Arbeiterkammer Tirol und den Bildungsträgern erreicht werden.
Ergänzende Info:
BFI UND WIFI ALS ANBIETER DER VORBEREITUNGSKURSE
In Tirol werden die Vorbereitungskurse nach den Vorschriften des Bundes in vier Fächern (Deutsch, Englisch, Mathematik, Fachbereich) von BFI und WIFI angeboten.
Das BFI bietet die Kurse im Rahmen des „Begleitenden Modells“, das den Lehrlingen die Möglichkeit gibt, abends und am Wochenende die Kurse zu besuchen, an.
Beim „Integrierten Modell“, das das WIFI plant, verlängert sich die Lehrzeit und der Lehrling nimmt in Abstimmung mit dem Lehrbetrieb untertags an den Kursen teil. Beide Bildungseinrichtungen haben bereits Erfahrung mit der Durchführung der Vorbereitungslehrgänge. Die bereits bestehenden Lehrgänge wurden an die Anforderungen der Förderungsrichtlinien angepasst und beinhalten folgendes Angebot:
· flächendeckendes Kursangebot in ganz Tirol
· berufsbegleitende und berufsintegrierte Ausbildungsmodelle
· mindestens 900 Unterrichtsstunden
· mindestens 15 Coachingstunden für jede/n Teilnehmer/in
· Sicherung der Ausbildungsmöglichkeit bis fünf Jahre nach dem Lehrabschluss
· kostenlos für die Teilnehmer/innen solange die Kriterien für die Bundesförderung erfüllt sind
Wichtige Aspekte sind außerdem die enge Einbindung von Eltern und Lehrbetrieben, die optimale Vereinbarkeit von Lehre und Vorbereitungslehrgang und die Zusammenarbeit zwischen Erwachsenenbildungseinrichtungen und Schulen.
Zahlen:
Statistisch beenden in Tirol jährlich ungefähr 8.800 Jugendliche die Pflichtschule, davon entscheiden sich etwa 51% für die Lehre. Für die „Lehre mit Matura“ interessieren sich dabei potentiell etwa 624 Jugendliche. Diese Ausbildungsvariante ist eine echte Alternative zu einer rein schulischen Ausbildung und ist ideal für junge Menschen, die ein hohes Fähigkeitspotenzial haben, aber keine ,Schulmenschen’ sind.
Mag. Christian Mück
Amt der Tiroler Landesregierung
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